Liebe Pferdefans!

2005: Wie schon der Titel meines Blogs erahnen lässt, handelt er hauptsächlich von der  Entstehung der ersten so genannten „Motivationsprüfung“ für kleine und große Reiter ab 6 Jahren. Die Prüfung heißt „Das Kleine Hufeisen Österreich“.

Auf die Idee, diese Prüfung für Österreich  zu entwickeln, hat mich vor allem mein wunderbares, gewitztes und kinderliebes norwegisches Fjordpferd „Bamse“ (das ist ein skandinavischer Name und bedeutet etwa „Dickerchen“), gebracht.

Bamse sagt allen auf dem Titelbild ein herzliches „hallo!“

Fjordpferde gibt es schon sehr, sehr lange – sie waren die Pferde der Wikinger! Die Wikinger nahmen ihre Pferde auf ihre langen Reisen  im Schiff mit – In Island entwickelten sich aus den Fjordpferden die Isländer, die manche von euch vielleicht kennen.

Fjordpferd Bamse schön frisiertAlle Fjordpferde sind einfärbig. Bamse hat die ganz typische Farbe „Falbe“, die  heller oder dunkler sein kann. Seltener kommen graue vor. Allen gemeinsam ist die einzigartige, zweifärbige Mähne, typischerweise schwarz- weiß. Sie wird fast immer in großem Bogen zu einem „Irokesenschnitt“ gestutzt, wo man sehen kann, dass die äußeren Haare weiß und die inneren schwarz sind. Auf dem Foto habe ich Bamse, frisch frisiert, erst seit einigen Tagen, da könnt ihr es sehen:

Als ich dann aber bemerkte, das  sich mein Pferd überhaut nicht gegen Insekten wehren konnte, ließ ich die Mähne wachsen. Auf dem nächsten Bild ist sie schon etwas länger. Man kann auf den beiden Fotos auch sehr gut vergleichen, wie sich unsere Beziehung entwickelte: Auf dem ersten Bild traut sich Bamse noch kaum, mich anzuschauen; Anstarren gilt bei Pferden oft als aggressiv.

Er war noch verängstigt und schüchtern, aber schon jetzt bemüht, zu verstehen, was ich mir von ihm wünschte. Diesen Wesenszug hatte ich sofort erkannt; deswegen wurde Bamse mein Pferd. Er hat mich und alle, die mit ihm zu tun hatten, niemals enttäuscht!

Fjordpferd Bamse begrüsst Eva SieglHier seht ihr Bamse´s erste, zärtliche Begrüßung (er bläst mich sachte an und drückt mir vorsichtig seine weiche Oberlippe auf die Wange). Später hat er dann entdeckt, wo ich seiner Meinung nach meine Mähne  habe, nämlich am Haaransatz an der Schläfe, und er ist dazu übergegangen, mich ganz nach Pferdeart dort zu kraulen. Ihr könnt auch sehen, dass er schon völlig frei bei mir bleibt.

Fjordpferde sind sehr robust und werden sehr alt. Andererseits sind sie erst mit 6 Jahren ausgewachsen, so dass man auf keinen Fall zu früh mit dem „Reiten“ beginnen darf! Bamse und ich hatten dieses Problem überhaupt nicht – wir hatten alle Zeit der Welt!

Die Ausbildung bestand aus allem, was Spaß macht: Lange Spaziergänge und Kennlernen der Welt da draußen. Leicht verständliche Kommandos mit überschwänglichem Lob und Leckerlis, wenn alles gut klappte. Bamse war immer gut drauf und machte eifrig mit. Ich hatte mir mit der Ausrüstung eine Reitgerte gekauft und für den Anfang zu Hause in ein Eck gestellt. Dort steht sie noch heute.

Kleine Kinder sind auch für jüngere Fjordpferde kein Problem, und so gründete ich als Beratungslehrerin und Voltigierübungsleiterin für meine Schützlinge ein Schulprojekt, für das ich eine Auszeichnung erhielt. Die Kinder waren solche, die durch ihr Verhalten zeigten, dass es ihnen seelisch schlecht ging und sie Hilfe und Nestwärme brauchten. Bamse brauchte ich nichts zu erkären. Er wusste sofort, worum es ging: Liebe und Vertrauen geben, war doch klar! Also: Vorsichtig Beziehung aufnehmen, d.h. bei der Begrüßung nicht auf das Kind zu gehen, sondern lieber den Hals doppelt so lang machen!

Mit einem Kind auf dem Rücken immer langsam und vorsichtig gehen; sofort (unaufgefordert!) stehen bleiben wenn es Ängstlichkeit zeigte. Aber auch ein kleiner fröhlicher Galopp war drinnen, wenn es sich um ein unerschrockenes, bewegungsfreudiges Kind handelte. Das rührendste war für mich, dass Bamse dieses Beschützerverhalten schon zeigte, als er im gefürchteten „Flegelalter“ war!

Man konnte ihm jedes Kind anvertrauen.

Bamse´s Popularität wuchs: Die Kinder besuchten ihn auch nachmittags und nahmen eine menge Freunde mit. Eltern und andere Interessenten, die ihn beobachtet hatten, kamen aus dem Nirgendwo und überboten sich mit Kaufangeboten! Der Betrieb, in dem Bamse und ich tätig waren, beherbergte eine ganze Menge Pferde, aber nur Bamse verstand, dass er sich in verschiedenen Situationen auch verschieden verhalten musste:

Fjordpferd Bamse beliebtes VoltigierpferdSchulkind rutscht runter: Stehen bleiben! Voltigierkind rutscht runter: In der gewählten Gangart weiter machen. Es dauerte nicht lange, und Bamse war das Voltigierpferd des Vereins; Die Voltigiergruppe konnte überhaupt nur seinetwegen in´s Leben gerufen werden!

Man könnte auch sagen: Bamse war einfach nur blitzg´scheit!

Manche seiner kleinen Fans verbrachten ihre Sommerferien auf Reiterhöfen, und jene, die in Deutschland gewesen waren, legten dort das „Kleine Hufeisen“ ab, das es hier noch nicht gab. Also wurde ich immer wieder danach gefragt, denn alle Kinder, die das „Kleine oder Große Hufeisen“ ablegen wollten, bestanden darauf, das auf Bamse zu tun; er war eben überall, wo er hinkam, sofort der Liebling von Groß und Klein, und jedes Kind kannte seinen zuverlässigen, beschützenden Charakter.

Das interesse an den Motivationsprüfungen war so groß, dass ich mich nach Absprache mit dem obersten Ausbilder des OEPS (Österr. Pferdesportverband, damals noch ‚Bundesfachverband für Reiten und Fahren’), herrn Komarek, an die Arbeit machte. Ich erstellte und illustrierte unter ständiger Rücksprache mit ihm das

LEHRBUCH FÜR DAS KLEINE UND GROSSE HUFEISEN ÖSTERREICH“

Und brauchte dafür inklusive der Illustrationen ca 3 Jahre. Der hier vorliegende Blog handelt, wie schon erwähnt, hauptsächlich von dem „Kleinen Hufeisen Österreich“. Nächstes Mal erzähle ich mehr darüber; immerhin handelt mein ganzes Buch davon! Ich werde bemüht sein, hier jede Woche für euch zu schreiben.

Eva Siegl

Bis dann liebe grüße von Eva!

Eva Siegl
hallo@der-kleine-hufeisentest.at

2019-06-13T18:20:18+00:00Donnerstag, 13. Juni, 2019|